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Zecken beim Trailrunning: Schutz für Schweizer Läufer

Die ganze Schweiz ausser dem Tessin gilt heute als Zecken-Risikogebiet, und 2025 wurde zu einem Rekordjahr. Das Kontraintuitive daran: Nicht das Laufen selbst holt dir die Zecke ins Bein — sondern die Pinkelpause, das Dehnen im hohen Gras und die Abkühlung am Waldrand. Hier kommt der konkrete Schutz-Workflow für Läuferinnen und Läufer.

Die meisten Zecken-Ratgeber sind für Wandernde geschrieben: lange Hosen in die Socken stecken, Wege nicht verlassen, hinterher absuchen. Für einen Trailrun im T-Shirt und in kurzen Tights greift das zu kurz — und es übersieht den entscheidenden Punkt. Für laufende Menschen entsteht das Risiko selten dort, wo man es vermutet. Wer das versteht, schützt sich mit wenigen gezielten Handgriffen deutlich wirksamer als mit pauschalen Wandertipps.

Die ganze Schweiz ist Risikogebiet — und 2025 war ein Rekordjahr

Lange galten nur einzelne Kantone als gefährlich. Das ist vorbei: Das Bundesamt für Gesundheit stuft inzwischen die gesamte Schweiz mit Ausnahme des Tessins als Risikogebiet für die Frühsommer-Meningoenzephalitis ein, kurz FSME — eine von Zecken übertragene Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten. 2024 kam mit Genf der letzte grössere Kanton dazu, nachdem sich Menschen infiziert hatten, die den Kanton gar nicht verlassen hatten.

Die Zahlen ziehen an. 2025 verzeichneten Fachstellen ein trauriges Rekordjahr mit über 500 gemeldeten FSME-Erkrankungen mit schwerem Verlauf. Die Suva registrierte über eine Hochrechnung rund 18 000 Zeckenstiche in der versicherten Bevölkerung — so viele wie seit 2020 nicht mehr. Milde Winter, gute Nahrungsjahre für Nagetiere und schlicht mehr Menschen, die ihre Freizeit draussen verbringen, treiben die Kurve nach oben. Für Läuferinnen und Läufer heisst das: Der Trail vor der Haustür ist statistisch kein zeckenfreier Raum mehr.

Wo ist das Zeckenrisiko in der Schweiz am höchsten?

Besonders viele Stiche werden aus dem Mittelland und den Voralpen gemeldet — etwa aus dem Jura, dem Emmental, dem Toggenburg und dem Zürcher Oberland. Wichtiger als die Landkarte ist aber der Lebensraum. Zecken sitzen nicht auf Bäumen, sondern lauern im hohen Gras, im Unterholz und an Übergängen zwischen Wald und Wiese und lassen sich im Vorbeistreifen abstreifen. Mit den wärmeren Jahren steigen sie zudem höher: Stiche werden heute bis in Lagen um 2000 Meter beobachtet, also mitten im typischen Terrain für Berg- und Trailläufe.

Das Läufer-Paradox: nicht das Laufen ist das Problem, sondern die Pause

Jetzt der kontraintuitive Kern, den kein Wanderratgeber betont. Eine Zecke braucht Kontaktzeit. Sie klettert nicht in Sekunden vom Grashalm ins Bein und beisst sofort zu, sondern krabbelt erst eine Weile über Haut und Kleidung, bis sie eine geeignete Stelle findet. Genau daran fehlt es beim Laufen: Der Kontakt zum Bewuchs am Wegrand ist kurz, das Bein streift den Halm und ist schon weg. Bewegung ist deshalb ein schlechter Ausgangspunkt für einen Stich.

Riskant wird es, sobald du stehen bleibst — und zwar an genau den Orten, die Läuferinnen und Läufer instinktiv ansteuern:

  • Die Pinkelpause im Gebüsch: abseits des Wegs, mitten im hohen Gras, mit entblösster Haut und mehreren Minuten Standzeit — die ideale Gelegenheit für eine Zecke, überzuwandern.
  • Das Dehnen auf der Wiese: Beine ins Gras, Hände im Bewuchs, langer Bodenkontakt an einer schattigen, feuchten Stelle.
  • Die Abkühlung am Waldrand: das Absitzen ins kühle Gras am Übergang zwischen Wald und Wiese — genau dort, wo die Zeckendichte am höchsten ist.
  • Das Verschnaufen im Schatten: die Rast am Unterholz nach dem steilen Anstieg, wo Waldboden und niedriger Bewuchs zusammentreffen.

Die Botschaft ist nicht, weniger zu laufen — im Gegenteil. Es geht darum, die kurzen Momente des Stillstands bewusster zu wählen. Wer für Pause, Dehnen und Abkühlung den befestigten Weg, eine Bank oder kurz gemähten Boden nimmt statt der einladenden Wiese am Waldsaum, entzieht der Zecke ihre beste Chance.

Der Repellent-Workflow für Läufer: von unten schützen

Weil Zecken von unten kommen, gehört der Schutz zuerst an die Füsse — und nicht, wie viele es tun, nur auf Arme und Nacken. Der grösste Fehler ist, das Repellent grossflächig auf die Haut der Oberarme zu geben und die Schuhe, Socken und Unterschenkel zu vergessen. Dabei ist genau das die Eintrittszone.

Zwei Wirkstoffgruppen sind gut untersucht. Hautrepellentien mit DEET oder Icaridin halten Zecken für einige Stunden ab; unter Schweiss und Reibung dünnen sie allerdings schneller aus, als einem beim langen Lauf lieb ist. Der zweite, für Läufer oft wirksamere Weg führt über die Kleidung: Eine Pilotstudie an Personen mit viel Aufenthalt im Freien zeigte, dass mit dem Kontaktinsektizid Permethrin behandelte Kleidung deutlich weniger Zeckenstiche zur Folge hatte. Permethrin gehört auf den Stoff, nie auf die Haut — und entfaltet seine Wirkung dort, wo die Zecke zuerst hinkommt: an Socken, Schuhen und Hosenbein.

Der Läufer-Zeckenschutz von unten nach oben. Angaben nach BAG-Empfehlungen und Herstellerhinweisen; Repellent-Wirkdauer variiert mit Schweiss und Dosierung.
ZoneWas tunWarum
Schuhe & SockenPermethrin auf den Stoff oder Repellent aufsprühenErste Kontaktzone — Zecken klettern von unten aus dem Gras
UnterschenkelDEET/Icaridin auf die Haut, ggf. hohe SockenAufstiegsweg der Zecke Richtung Kniekehle
Kniekehle, Leiste, Achselnnach dem Lauf gezielt absuchenwarme, dünne Hautstellen — bevorzugte Bissstellen
PausenplatzWeg, Bank oder kurzes Gras statt hoher WieseStandzeit im Bewuchs ist der eigentliche Risikomoment
Tipp

Wähle für lange Läufe im Sommer helle Socken und helle Tights. Auf hellem Stoff fällt die dunkle, oft nur stecknadelkopfgrosse Zecke beim kurzen Blick nach unten viel eher auf — und du kannst sie abstreifen, bevor sie eine Hautstelle erreicht. Ein kurzer Bein-Check bei jeder Trinkpause kostet Sekunden und ersetzt kein Repellent, fängt aber die Krabbler ab, die es trotzdem aufs Bein geschafft haben.

FSME-Impfung für Trailrunner: sinnvoll oder übertrieben?

Hier lohnt der klare Blick, denn die beiden häufigsten von Zecken übertragenen Krankheiten verhalten sich unterschiedlich. Gegen die Borreliose, ausgelöst durch Bakterien, hilft im Ernstfall ein Antibiotikum — eine Impfung gibt es nicht. Gegen die FSME dagegen, ausgelöst durch ein Virus, existiert keine ursächliche Behandlung; man kann nur die Symptome lindern. Umgekehrt aber lässt sich die FSME durch eine Impfung verhindern.

Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt die FSME-Impfung allen Personen ab drei Jahren, die in einem Risikogebiet wohnen oder sich dort aufhalten. Da praktisch die ganze Schweiz Risikogebiet ist, fällt fast jede Läuferin und jeder Läufer, die regelmässig durch Wald und über Wiesentrails laufen, in diese Gruppe. Die Grundimmunisierung besteht aus drei Dosen über einige Monate und bietet danach über Jahre Schutz. Ob die Impfung für dich das Richtige ist, besprichst du am besten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt — sie ist gerade für Menschen mit viel Zeit im Grünen ein naheliegendes Thema.

Wichtig zu wissen: Das FSME-Virus sitzt im Speichel der Zecke und kann bereits kurz nach dem Stich übertragen werden. Schnelles Entfernen senkt daher vor allem das Borreliose-Risiko, das eine längere Saugzeit voraussetzt — vor der FSME schützt es nur begrenzt. Genau deshalb ist die Impfung die eigentliche Absicherung gegen die gefährlichere der beiden Krankheiten.

Nach dem Lauf: absuchen und richtig entfernen

Der wirksamste Handgriff kommt nach dem Duschen. Suche Beine, Kniekehlen, Leiste, Bauchnabel, Achseln und Haaransatz ab — Zecken bevorzugen warme, dünne Hautstellen. Eine früh entdeckte und rasch entfernte Zecke ist die halbe Miete, besonders mit Blick auf die Borreliose.

So gehst du bei einem Stich vor:

  • Hautnah fassen: die Zecke mit einer feinen Pinzette oder Zeckenkarte möglichst dicht an den Mundwerkzeugen greifen, nicht am vollgesaugten Körper.
  • Gerade herausziehen: langsam und gleichmässig senkrecht nach oben ziehen, ohne zu drehen oder zu quetschen. Bleibt ein winziger Rest stecken, ist das meist unkritisch.
  • Desinfizieren: die Einstichstelle reinigen und desinfizieren.
  • Notieren: Datum und Stelle festhalten — hilfreich, falls später Beschwerden auftreten.

Verzichte auf Hausmittel wie Öl, Klebstoff oder das Zerdrücken der Zecke: Das reizt sie nur und kann die Übertragung von Erregern begünstigen. Beobachte die Stelle in den Wochen danach. Eine sich ringförmig ausbreitende Rötung — die Wanderröte — tritt typischerweise drei bis dreissig Tage nach dem Stich auf und ist ein mögliches Zeichen der Borreliose. Grippeähnliche Symptome mit Fieber Tage bis Wochen später können auf eine FSME hindeuten.

Achtung — wann zum Arzt

Suche eine Ärztin oder einen Arzt auf, wenn sich um die Stichstelle eine ringförmige Rötung bildet, wenn du in den Wochen nach einem Stich Fieber, Kopf-, Nacken- oder Gliederschmerzen bekommst oder wenn sich die Zecke nicht sauber entfernen lässt. Bei plötzlichen neurologischen Symptomen wie starken Kopfschmerzen, Nackensteife, Verwirrtheit oder Lähmungserscheinungen zögere nicht: In der Schweiz erreichst du den Sanitätsnotruf unter 144. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Abklärung.

Zecken sind ein guter Grund, den Kopf einzuschalten — aber kein Grund, den Wald zu meiden. Der Nutzen des Laufens im Grünen überwiegt bei vernünftigem Schutz klar. Und wie beim Rest des Trainings zählt auch hier die Vorbereitung: Wer den Schutz zur Routine macht, denkt unterwegs nicht mehr daran und läuft freier. Wenn du danach an deiner Ernährung feilst, findest du Anschluss in unseren Beiträgen zu Kohlenhydrate oder Protein im Sport und zum Randensaft für Läufer und was der Nitrat-Boost bringt. Grundlagen zum Berg- und Trailrunning bündelt ausserdem unser Laufsport-Ratgeber.

Häufige Fragen

Wo ist das Zeckenrisiko in der Schweiz am höchsten?

Das Bundesamt für Gesundheit stuft heute die ganze Schweiz mit Ausnahme des Tessins als FSME-Risikogebiet ein. Besonders viele Zeckenstiche werden aus dem Mittelland und den Voralpen gemeldet, etwa aus dem Jura, dem Emmental, dem Toggenburg und dem Zürcher Oberland. Zecken sitzen an Waldrändern, auf Lichtungen und in hohem Gras bis in Höhen um 2000 Meter. Entscheidend ist weniger die genaue Region als der Lebensraum: feuchtes Unterholz, Übergänge zwischen Wald und Wiese und Wege mit dichtem Bewuchs am Rand.

Wie schütze ich mich beim Joggen vor Zecken?

Trage möglichst geschlossene Kleidung und behandle vor allem Schuhe, Socken und die untere Beinpartie mit Repellent, denn Zecken lauern nicht auf Bäumen, sondern klettern von unten aus dem Gras. Repellentien mit DEET oder Icaridin halten Zecken für einige Stunden ab, dünnen aber mit Schweiss aus. Wirksamer über einen ganzen Lauf ist mit Permethrin behandelte Kleidung. Meide auf schmalen Pfaden das hohe Gras am Wegrand und verlege Dehnen, Pinkelpausen und die Abkühlung auf befestigten oder kurz gemähten Untergrund statt in die Wiese.

Soll ich mich als Trailrunner gegen FSME impfen lassen?

Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt die FSME-Impfung allen Personen ab drei Jahren, die in einem Risikogebiet wohnen oder sich dort aufhalten — und das ist die ganze Schweiz ausser dem Tessin. Wer regelmässig im Wald, an Waldrändern und auf Wiesentrails läuft, gehört klar zur exponierten Gruppe. Die Grundimmunisierung umfasst drei Dosen und schützt vor der von Zecken übertragenen Hirnhautentzündung, gegen die es keine ursächliche Behandlung gibt. Gegen Borreliose schützt die Impfung nicht. Die Entscheidung triffst du am besten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Was tun nach einem Zeckenstich beim Laufen?

Entferne die Zecke so rasch wie möglich. Fasse sie mit einer feinen Pinzette oder Zeckenkarte hautnah an den Mundwerkzeugen, ziehe sie langsam und gerade nach oben heraus, ohne zu drehen oder den Körper zu quetschen, und desinfiziere die Stelle danach. Notiere dir Datum und Stelle des Stichs. Beobachte die Einstichstelle in den folgenden Wochen: Eine sich ringförmig ausbreitende Rötung (Wanderröte) kann auf eine Borreliose hindeuten, grippeähnliche Symptome mit Fieber Tage bis Wochen später auf FSME. Bei solchen Zeichen suchst du eine Ärztin oder einen Arzt auf.

Kann ich mir beim Laufen im hohen Tempo überhaupt eine Zecke holen?

Möglich ist es, aber die kurze Kontaktzeit im Vorbeistreifen macht einen Stich während des Laufens weniger wahrscheinlich als in der Pause. Zecken brauchen Zeit, um über Kleidung und Haut zu einer Bissstelle zu wandern. Das grössere Risiko entsteht beim Stehenbleiben im Bewuchs — beim Dehnen, bei der Pinkelpause oder beim Absitzen ins Gras. Deshalb lohnt es sich, genau diese Momente auf festen Untergrund zu verlegen.

Quellen

  1. Bundesamt für Gesundheit (BAG). Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME): Krankheit, Verbreitung und Schutz. Bern, 2025. bag.admin.ch/de/fruehsommer-meningoenzephalitis-fsme
  2. Bundesamt für Gesundheit (BAG), Eidgenössische Kommission für Impffragen. Schweizerischer Impfplan 2025. Richtlinien und Empfehlungen, März 2025.
  3. Suva. Zeckenstiche in der Schweiz — Auswertung der Unfallstatistik 2025. Luzern, 2025. suva.ch
  4. Vaughn MF, Meshnick SR. Pilot study assessing the effectiveness of long-lasting permethrin-impregnated clothing for the prevention of tick bites. Vector-Borne and Zoonotic Diseases. 2011;11(7):869–875. doi:10.1089/vbz.2010.0158
  5. Stanek G, Wormser GP, Gray J, Strle F. Lyme borreliosis. The Lancet. 2012;379(9814):461–473. doi:10.1016/S0140-6736(11)60103-7
  6. Riccardi N, Antonello RM, Luzzati R, et al. Tick-borne encephalitis in Europe: a brief update on epidemiology, diagnosis, prevention, and treatment. European Journal of Internal Medicine. 2019;62:1–6. doi:10.1016/j.ejim.2019.01.004
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information rund um Sport und Gesundheit und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Fragen zur FSME-Impfung und zu Beschwerden nach einem Zeckenstich klärst du mit einer Ärztin oder einem Arzt.