Ratgeber · Einstieg

Laufen für Anfänger

Die ersten Wochen entscheiden, ob Laufen zur Gewohnheit wird oder wehtut. Mit der Geh-Lauf-Methode, dem richtigen Tempo und einem ruhigen Aufbau gelingt der Start — ganz ohne Vorwissen.

Laufen braucht kein Talent und kaum Ausrüstung — aber einen klugen Start. Dieser Guide ist Teil unseres Laufsport-Ratgebers und zeigt dir Schritt für Schritt, wie du die ersten vier Wochen aufbaust, welches Tempo passt und welche Fehler dir Frust und Verletzungspausen ersparen. Gedacht ist er für alle, die bei null anfangen oder nach langer Pause zurückkommen.

Warum Laufen — und warum langsam starten

Laufen ist die vielleicht zugänglichste Ausdauersportart: Du brauchst Schuhe, ein paar freie Minuten und einen Weg vor der Tür. Der grösste Fehler am Anfang ist nicht mangelnder Ehrgeiz, sondern zu viel davon — zu schnell, zu weit, zu oft. Wer die Belastung behutsam aufbaut, bleibt gesünder und langfristig eher dabei.

Ist Laufen wirklich gesund?

Regelmässiges Laufen hängt mit einer besseren Gesundheit zusammen. Eine grosse Auswertung von Langzeitstudien fand, dass Laufen mit einem tieferen Sterberisiko verbunden ist — und dass bereits kleine Mengen zählen: Selbst einmal pro Woche schien besser als gar nicht zu laufen, ohne dass mehr zwingend noch mehr brachte. Für den Einstieg ist das die beste Nachricht überhaupt: Du musst nicht viel tun, um etwas zu bewegen.

Tipp

Lege dir zwei bis drei feste Lauftage in die Woche — zum Beispiel Dienstag, Donnerstag, Sonntag. Ein Termin im Kalender wird seltener verschoben als ein vages «irgendwann diese Woche».

Wie hoch ist das Verletzungsrisiko am Anfang?

Es ist real, aber gut steuerbar. Eine Übersichtsarbeit über mehrere Studien zeigt, dass Einsteigerinnen und Einsteiger deutlich häufiger Beschwerden entwickeln als geübte Freizeitläufer — rund 17,8 gegenüber 7,7 Verletzungen pro 1000 Laufstunden. Der Körper braucht Zeit, um Sehnen, Bänder und Knochen an die neue Belastung zu gewöhnen. Genau deshalb ist ein ruhiger Aufbau kein Zeichen von Schwäche, sondern die eigentliche Kunst am Anfang.

Die ersten vier Wochen: dein Einstiegsplan

Ein guter Einstiegsplan wechselt von Anfang an zwischen Laufen und Gehen und steigert die Laufanteile langsam. Die folgende Tabelle ist ein bewährter Richtwert für drei Einheiten pro Woche. Passe sie an dein Gefühl an: Fühlt sich eine Woche zu leicht an, bleib trotzdem eine weitere Woche dabei — dein Bindegewebe dankt es dir.

Wie oft pro Woche sollte ich laufen?

Drei Einheiten pro Woche sind für den Anfang ideal, jeweils mit mindestens einem Ruhetag dazwischen. An den freien Tagen erholt sich der Körper und wird belastbarer. Das passt gut zur Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation, sich pro Woche rund 150 Minuten mit moderater Intensität zu bewegen.

Beispielhafter 4-Wochen-Einstieg mit der Geh-Lauf-Methode (3 Einheiten pro Woche). Richtwert für gesunde Erwachsene — an das eigene Empfinden anpassen.
WocheAufbau je EinheitDauerZiel der Woche
Woche 16× (1 Min. laufen / 2 Min. gehen)ca. 25 Min.Locker bleiben, dabei reden können
Woche 26× (2 Min. laufen / 1–2 Min. gehen)ca. 25–30 Min.Laufanteil leicht steigern
Woche 35× (3 Min. laufen / 1 Min. gehen)ca. 25 Min.Weniger, dafür längere Laufblöcke
Woche 43–4× (5 Min. laufen / 1 Min. gehen)ca. 25–30 Min.Erste längere Läufe am Stück

Wie lange soll ein erster Lauf dauern?

Zwanzig bis dreissig Minuten inklusive Gehpausen reichen völlig. Wichtiger als die Gesamtdauer ist, dass du dich danach angenehm gefordert und nicht ausgelaugt fühlst. Wenn du am nächsten Tag noch problemlos Treppen steigst, war die Dosis richtig. Wer den Umfang von hier aus behutsam ausbaut, kann bald einen eigenen Trainingsplan erstellen und gezielt auf ein erstes Ziel hinarbeiten.

Geh-Lauf-Methode: das beste Einstiegs-Werkzeug

Die Geh-Lauf-Methode ist der rote Faden für jeden Einstieg. Statt dich durch einen Dauerlauf zu quälen, wechselst du bewusst zwischen kurzen Laufblöcken und Gehpausen. Das klingt unspektakulär, ist aber der schnellste Weg zu mehr Ausdauer — weil du länger draussen bleibst und die Belastung tief hältst.

Was ist die Geh-Lauf-Methode genau?

Du teilst den Lauf in feste Intervalle: zum Beispiel eine Minute laufen, zwei Minuten gehen, das Ganze mehrmals wiederholt. Die Gehpausen sind keine Niederlage, sondern Teil des Trainings. Sie lassen dich Woche für Woche mehr Laufzeit ansammeln, ohne dass Muskeln und Gelenke überfordert werden — ideal, um überhaupt erst eine Laufgewohnheit aufzubauen.

Tipp

Nutze die Intervall- oder Timer-Funktion deiner Uhr oder deines Handys und stelle sie auf ein Signal alle ein bis zwei Minuten. So musst du unterwegs nicht rechnen und läufst automatisch im richtigen Rhythmus.

Das richtige Tempo finden

Fast alle Anfängerinnen und Anfänger machen denselben Fehler: Sie laufen zu schnell. Das lockere Grundtempo fühlt sich zu Beginn fast langweilig an — genau das ist aber die Zone, in der Ausdauer wächst und Verletzungen selten bleiben.

Woran erkenne ich, dass ich zu schnell laufe?

Am einfachsten mit dem Sprechtest: Kannst du während des Laufens noch in ganzen Sätzen sprechen, stimmt das Tempo. Bringst du nur noch einzelne Wörter heraus, bist du zu schnell — dann geh zurück ins lockere Tempo oder in die Gehpause. Ein sauberer, entspannter Laufstil hilft zusätzlich, mit weniger Anstrengung voranzukommen.

Verletzungen vermeiden und der Mythos der 10-Prozent-Regel

Viele Ratgeber predigen die «10-Prozent-Regel»: Steigere deinen wöchentlichen Umfang nie um mehr als zehn Prozent. Klingt vernünftig — nur hält die Zahl der wissenschaftlichen Prüfung nicht so gut stand, wie oft behauptet wird.

Stimmt die 10-Prozent-Regel?

Nicht als magische Grenze. In einer kontrollierten Studie mit über 500 Neu-Läuferinnen und -Läufern brachte ein sanfter, nach der 10-Prozent-Regel gestalteter 13-Wochen-Plan nicht weniger Verletzungen als ein üblicher 8-Wochen-Plan — in beiden Gruppen verletzten sich rund 20 Prozent. Andere Daten deuten an, dass vor allem grosse Sprünge riskant sind: Wochen mit einem Umfangszuwachs von mehr als etwa 30 Prozent gingen häufiger Verletzungen voraus. Die Botschaft ist also nicht «exakt 10 Prozent», sondern: steigere allmählich, vermeide plötzliche Sprünge und plane Erholung fest ein.

Achtung

Schmerzen, die während oder nach dem Lauf anhalten, gehören abgeklärt — laufe nicht «durch» sie hindurch. Bei Brustschmerzen, Atemnot oder Schwindel brichst du sofort ab; im Notfall gilt in der Schweiz die Nummer 144. Bei anhaltenden Beschwerden wende dich an eine Ärztin oder einen Arzt.

Der rote Faden bleibt einfach: Regelmässigkeit schlägt Intensität. Drei ruhige Läufe pro Woche über Monate bringen dich weiter als einzelne harte Einheiten, auf die eine Zwangspause folgt. Weitere Bausteine — von der Technik über die Ausdauer bis zur Ernährung — findest du gebündelt im Laufsport-Ratgeber.

Häufige Fragen

Wie oft sollte ich als Anfänger pro Woche laufen?

Für den Einstieg reichen drei Einheiten pro Woche mit einem Ruhetag dazwischen. So kann sich der Körper zwischen den Läufen erholen. Das deckt sich gut mit der Empfehlung der WHO von rund 150 Minuten Bewegung mit moderater Intensität pro Woche.

Wie lange dauert es, bis ich 30 Minuten am Stück laufen kann?

Viele Einsteigerinnen und Einsteiger schaffen 30 Minuten Dauerlauf nach rund acht bis zwölf Wochen, wenn sie regelmässig mit der Geh-Lauf-Methode aufbauen. Das Tempo ist dabei zweitrangig — entscheidend ist, dass du dranbleibst.

Soll ich lieber joggen oder abwechselnd gehen und laufen?

Am Anfang ist die Geh-Lauf-Methode ideal: kurze Laufblöcke mit Gehpausen. Sie hält die Belastung tief, lässt dich länger draussen bleiben und senkt das Risiko, zu schnell zu viel zu wollen.

Wie schnell soll ich als Anfänger laufen?

So langsam, dass du dich noch in ganzen Sätzen unterhalten könntest — der sogenannte Sprechtest. Fast alle Anfängerinnen und Anfänger starten zu schnell. Ein lockeres Tempo baut Ausdauer auf und schont Muskeln und Gelenke.

Woran merke ich, dass ich es übertreibe?

Warnzeichen sind Schmerzen, die während oder nach dem Lauf anhalten, tagelange starke Erschöpfung oder ein Umfang, der von Woche zu Woche stark springt. Steigere deinen Umfang lieber langsam und plane Ruhetage ein.

Brauche ich spezielle Laufschuhe für den Anfang?

Ein bequemer, gut sitzender Laufschuh genügt für den Einstieg — teure Modelle sind nicht nötig. Wichtiger als einzelne Technikdetails ist, dass der Schuh passt und sich beim Laufen angenehm anfühlt.

Quellen

  1. Videbæk S, Bueno AM, Nielsen RO, Rasmussen S. Incidence of Running-Related Injuries Per 1000 h of running in Different Types of Runners: A Systematic Review and Meta-Analysis. Sports Med. 2015;45(7):1017–26. doi:10.1007/s40279-015-0333-8
  2. Buist I, Bredeweg SW, van Mechelen W, Lemmink KAPM, Pepping GJ, Diercks RL. No effect of a graded training program on the number of running-related injuries in novice runners: a randomized controlled trial. Am J Sports Med. 2008;36(1):33–9. doi:10.1177/0363546507307505
  3. Nielsen RO, Cederholm P, Buist I, Sørensen H, Lind M, Rasmussen S. Can GPS be used to detect deleterious progression in training volume among runners? J Strength Cond Res. 2013;27(6):1471–8. doi:10.1519/JSC.0b013e3182711e3c
  4. Pedisic Z, Shrestha N, Kovalchik S, et al. Is running associated with a lower risk of all-cause, cardiovascular and cancer mortality, and is the more the better? A systematic review and meta-analysis. Br J Sports Med. 2020;54(15):898–905. doi:10.1136/bjsports-2018-100493
  5. World Health Organization. WHO Guidelines on Physical Activity and Sedentary Behaviour. Genf: WHO; 2020. who.int/publications/i/item/9789240015128

Studiendaten via PubMed. Verben nach Evidenzstärke kalibriert: Beobachtungsdaten «hängt zusammen mit», kontrollierte Studien «zeigt».

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information rund um Sport und Ernährung und ersetzt keine individuelle ärztliche oder ernährungsberaterische Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden wende dich an eine Ärztin oder einen Arzt.